Katzen-Gedichte

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Martha Musselmink
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Beitragvon Martha Musselmink » 19.06.2006 13:55

Hier noch ein Tiergedicht von Goethe aus dem West-östlichen Divan - die letzte Stophe ist der Katze gewidmet - passend zu Baums Erklärung, warum Tigerkätzchen ein 'W' oder 'M' auf der Stirne haben.

Baum hat geschrieben:Das M auf der Stirn von Tigerkatzen war das Siegel der Maria. Und bis heute tragen viele Katzen ihren Namen:Mieze,Minette od. Matschka.

Die Parallele im Islam:Der Prophet streichelte den Kopf der Katze, und daher tragen die Katzen vier dunkle Streifen auf der Stirn, die Zeichen seiner heiligen Finger.



    Johann Wolfgang von Goethe
    Begünstigte Tiere


    Vier Tieren auch verheißen war,
    Ins Paradies zu kommen;
    Dort leben sie das ew'ge Jahr
    Mit Heiligen und Frommen.

    Den Vortritt hier der Esel hat,
    Er kommt mit muntern Schritten:
    Denn Jesus zur Prophetenstadt
    Auf ihm ist eingeritten.

    Halb schüchtern kommt ein Wolf sodann,
    Dem Mahomet befohlen:
    "Lass dieses Schaf dem armen Mann,
    Dem Reichen magst du's holen."

    Nun, immer wedelnd, munter, brav,
    Mit seinem Herrn, dem braven,
    Das Hündlein, das den Siebenschlaf
    So treulich mitgeschlafen.

    Abuherriras Katze hier
    Knurrt um den Herrn und schmeichelt:
    Denn immer ist's ein heilig Tier,
    Das der Prophet gestreichelt.
Man kann im Leben auf vieles verzichten,
aber nicht auf Katzen und Literatur!

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Beaudelaires: DIE KATZE

Beitragvon blauanina » 07.07.2006 19:03

Es gibt, glaube ich, keine schönere Beschreibung der Katze ansich! Mir läuft jedes mal ein Schauer über den Rücken, wenn ich dieses Gedicht lese!

Die Katze

I

In meinem Hirn, als sei's ihr Zimmer,
Geht eine Katze, sanft und fein
Und stark und reizend, aus und ein.
Ihr Murren ist ganz leise immer,
So zart gedämpft, so zärtlich weich!
Doch ob die Stimme mild, ob strenge,
Stets hat sie reiche, tiefe Klänge:
Ihr Rätsel und ihr Reiz zugleich.

Die Stimme, die so perlend nieder
Bis in mein tiefstes Innre dringt,
Die mich wie reicher Reim durchklingt,
Beschwingt wie Liebestrank die Glieder.

Sie lullt mich ein, wenn Leiden droht,
Läßt alle Flammen höher schlagen,
Und um den längsten Satz zu sagen,
Ist ihr kein einzig Wörtchen not.

Nein, keinem Bogen könnt gelingen
Auf meinem Herzen solcher Strich
Und daß auf ihm so königlich
Die allervollsten Saiten singen,

Wie deiner Stimme, wunderbar
Geschöpf, seraphisch, auserlesen,
In dem, wie in der Engel Wesen,
Harmonisch alles ist und klar!

II

Aus ihrem braun und blonden Felle
Steigt ein Geruch, so süß, daß ich
Selbst duftete, als nachts ich strich
Ein Mal nur! seine weiche Welle.

Sie ist des Ortes guter Geist.
Sie richtet, treibt und bringt ins gleiche
Die Dinge all in ihrem Reiche.
Ob man sie Fee, ob Göttin heißt?

Und wenn ich weg die Augen drehe
Von ihr, die so magnetisch bannt,
Und, unterwürfg hergewandt,
Mir selber in die Seele sehe,

Erblick ich staunend und erregt
Wie Feuer lebender Opale
Die fahlen Sterne, wie Fanale,
Die mich beschauen unentwegt.

IM ORIGINAL:
Le chat

I

Dans ma cervelle se promène,
Ainsi qu'en son appartement,
Un beau chat, fort, doux et charmant.
Quand il miaule, on l'entend à peine,

Tant son timbre est tendre et discret ;
Mais que sa voix s'apaise ou gronde,
Elle est toujours riche et profonde.
C'est là son charme et son secret.

Cette voix qui perle et qui filtre
Dans mon fond le plus ténébreux,
Me remplit comme un vers nombreux
Et me réjouit comme un philtre.

Elle endort les plus cruels maux
Et contient toutes les extases ;
Pour dire les plus longues phrases,
Elle n'a pas besoin de mots.

Non, il n'est pas d'archet qui morde
Sur mon cœur, parfait instrument,
Et fasse plus royalement
Chanter sa plus vibrante corde,

Que ta voix, chat mystérieux,
Chat séraphique, chat étrange,
En qui tout est, comme en un ange,
Aussi subtil qu'harmonieux !

II

De sa fourrure blonde et brune
Sort un parfum si doux, qu'un soir
J'en fus embaumé, pour l'avoir
Caressée une fois, rien qu'une.

C'est l'esprit familier du lieu ;
Il juge, il préside, il inspire
Toutes choses dans son empire ;
Peut-être est il fée, est-il dieu ?

Quand mes yeux, vers ce chat que j'aime
Tirés comme par un aimant,
Se retournent docilement
Et qu je regarde en moi-même,

Je vois avec étonnement
Le feu de ses prunelles pâles,
Clairs fanaux, vivantes opales,
Qui me contemplent fixement.

Charles Baudelaire
(1821-1867)
LG Tessa
Mimi (der übrigens doch ein Kater ist und nun Timmi heisst)
Zecke (in Memorandum)


In eo que vides, veritatem non in venies (oder so ähnlich....) frei Übersetzt: "In dem was du siehst, wirst du die Wahrheit nicht finden!"

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Beitragvon Martha Musselmink » 07.07.2006 20:01

Ja, das Gedicht ist wirklich wunderschön :!:

Eines der schönsten Katzengedichte überhaupt, habe ich schon immer gedacht. Allerdings hat mir meine Mutter, die des Französischen besser mächtig ist als ich, immer wieder versichert, dass die Übersetzung gegenüber dem Original stark abfällt. Sprichst Du Französisch?


Übrigens schau mal hier: www.katzen-album.de/forum/ftopic1970.html
Man kann im Leben auf vieles verzichten,

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Beitragvon blauanina » 07.07.2006 20:06

uiiii, gar nicht gesehen! :oops:
LG Tessa

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Beitragvon Martha Musselmink » 07.07.2006 20:16

Du, SOOO war das jetzt nicht gemeint! Ich wollte Dich nur drauf aufmerkasm machen, da Du ja anscheinend ein Lyrik-Fan bist. :D
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Beitragvon blauanina » 07.07.2006 20:35

Hab mir auch schon welche ausgedruckt *g*

Danke für den Hinweis!

Bis denne

LG
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Beitragvon Sandela80 » 07.07.2006 20:47

Scheeeee...AMEN
Wie schön wäre die Welt, wenn jeder nur die Hälfte von dem täte, was er von anderen verlangt. [Curt Goetz]
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Beitragvon SONJA » 27.08.2006 08:50

Wie heißen die Katzen

Wie heißen die Katzen? gehört zu den kniffeligsten Fragen
Und nicht in die Rätselecke für jumperstrickende Damen.
Ich darf ihnen, ganz im Vertrauen, sagen:

Eine jede Katze hat drei verschiedene Namen.
Zunächst den Namen für Hausgebrauch und Familie,
Wie Paul oder Moritz (in ungefähr diesem Rahmen),
Oder Max oder Peter oder auch Petersilie -
Kurz lauter vernünft'ge, alltägliche Namen.
Oder, hübscher noch, Murr oder Fangemaus
Oder auch, nach den Mustern aus klassischen Dramen:
Iphigenie, Orest oder Menelaus -
Also immer noch ziemlich vernünft'ge, alltägliche Namen.

Doch nun zu dem nächsten Namen, dem zweiten:
Den muß man besonders und anders entwickeln.
Sonst könnten die Katzen nicht königlich schreiten,
Noch gar mit erhobenem Schwanz perpendikeln.
Zu solchen Namen zählt beispielsweise
Schnurroaster, Tatzitus, Katzastrophal,
Kralline, Nick Kater und Kratzeleise -
Und jeden der Namen gibt's nur einmal.
Und schließlich hat jede noch einen dritten!
Ihn kennt nur die Katze und gibt ihn nicht preis.
Da nutzt kein Scharfsinn, da hilft kein Bitten.
Sie bleibt die einzige, die ihn weiß.
Sooft sie versunken, versonnen und
Verträumt vor sich hinstarrt, ihr Damen und Herren -
Den unaussprechlichen, unausgesprochenen,
Den ausgesprochenen unaussprechlichen,
Geheimnisvollen dritten Namen.

Thomas Stearns Eliot, 1888 - 1965
...

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Liebesbriefe/Gedichte an unsere Katzen

Beitragvon Haeckse » 17.10.2006 12:25

Hallo Zusammen

Einige von Euch haben bestimmt auch schon Liebesbriefe oder Gedichte über/für die Katzen geschrieben, oder? Ich dachte, es wäre noch schön, wenn man diese Gefühle teilen könnte, was meint Ihr dazu?

Ich mach mal den Anfang:




Liebesbrief an meine Katzen


Ein Leben ohne Euch zwei kann und möchte ich mir nicht mehr vorstellen. Die Liebe und Zuneigung die Ihr mir schenkt, ist soviel grösser als alles was ein Mensch zu geben bereit ist. Ihr liebt bedingungslos und erwartet nichts dafür. Ihr seid dankbar für jede kleine Aufmerksamkeit und habt doch euren eigenen Kopf. Ihr bringt mich so zum lachen, wie nur ihr es könnt. Euch anzuschauen ist, als wenn man in das Herz eines Engels blicken würde. Ich hoffe jeden Tag, dass ich euch soviel geben kann wie ihr verdient. Ich kann euch nicht versprechen, dass ihr immer gesund sein werdet, aber ich kann euch versprechen alles in meiner Macht stehende zu tun, damit ihr immer glücklich seid. Ich hoffe, ich kann euch froh machen und ich hoffe, dass ich eines fernen Tages so stark sein werde, euch ohne viel Leiden gehen zu lassen.
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Beitragvon Teddy » 17.10.2006 12:44

Ich habe mal ein Gedicht geschrieben.

und hier schreibe ich es nochmal:

Ein Tier, so stolz und voller Sonnenschein,
das kann nur eine Katze sein,
in Fell gekleidet, so weich und zart,
jede einzigartig in ihrer Art.

Wer kennt es nicht,
dieses geheimnisvolle Gesicht,
dieses wundervolle Wesen,
ich möchte so gern in diesen Augen lesen.

Die Weisheit ist dort wohl zu sehen,
ich möchte so gern alles verstehen,
welch Schatz in ihr verborgen scheint,
alles Wissen scheint in ihr vereint.

Diese Pracht,
ob am Tage oder in der Nacht,
diese unendliche Schönheit,
sie verzaubert durch ihre Gelassenheit.

Ein Raubtier, und doch ganz zahm,
wild und ebenso sehr anschmiegsam,
auf samtigen Pfoten ganz leise,
schreitet sie auf elegante Weise.

Und wenn man sie dann schnurren hört,
da ist nichts mehr, was einen stört,
man muss es genießen,
und mit dem Stress abschließen.

Oh mein Stubentiger,
nichts mag ich lieber,
leben will ich nicht ohne Dich,
denn unendlich glücklich machst Du mich.

Ich hoffe, es gefällt Euch :wink:
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Beitragvon Nele-HH » 17.10.2006 12:46

Wirklich schön :D und eine tolle Idee.

Ich kann so etwas leider auch nicht. :roll:

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Beitragvon Haeckse » 17.10.2006 13:03

@Teddy
Das ist ja wunderschön, toll! Ich wünschte, ich könnte so reimen... *neidischbin* :lol: :lol:
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Beitragvon Teddy » 17.10.2006 13:22

Haeckse hat geschrieben:@Teddy
Das ist ja wunderschön, toll! Ich wünschte, ich könnte so reimen... *neidischbin* :lol: :lol:


Daaaanke :D

und das, was Du geschrieben hast, ist genauso schön !
Also nix neidisch sein :wink:

lieben Gruß
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Beitragvon Haeckse » 17.10.2006 13:25

Teddy hat geschrieben:Also nix neidisch sein


.... aber es reimt sich nicht :oops: trotzdem danke!
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Beitragvon Teddy » 18.10.2006 09:57

Doro, das ist ebenfalls wunderschön !!! :flower:
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