Depeschen von der Dreierbande von Gerd Schuster

Ob dramatisch, trivial, spannend oder emotional: Erzählungen von und mit Katzen
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shirkan
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Depeschen von der Dreierbande von Gerd Schuster

Beitragvon shirkan » 08.05.2016 22:30

Depesche 128 Ein paar letzte Worte

Liebe Leser dieser katzophilen Geschichten,
zwei Jahre lang haben die »Depeschen von der Dreierbande« mein Leben bestimmt. Sollten Sie ein paar der mehr als 120 Geschichten gelesen haben, so danke ich Ihnen herzlich für Ihre freundliche Aufmerksamkeit. Leider muß ich die Serie – sie war, glaube ich, ziemlich einmalig – jetzt zu Ende gehen lassen. Dafür gibt es mehrere Gründe:

1. Sitas Tod hat die fröhlich-umtriebige Dreierbande zerstört. Das macht nicht nur mich sehr traurig, denn das riesengroße und neunmal kluge Tier war »meine« Katze, residierte in meinem Arbeitszimmer auf dem Schreibtisch und schnarchte unter meinem Bett. Ich besprach alles mit ihr, und ich liebte sie von Herzen. Ihre viel zu frühe Abwanderung in den Katzenhimmel hat nicht nur mein Zimmer öd und leer gemacht und mein Herz einsam, sondern die sprudelnde Quelle von Depeschen-Themen versiegen lassen. Ohne die wohlgepolsterte Bandenchefin, die immer für einen Streich gut war, passiert, so scheint es, fast nichts Berichtenswertes mehr.

Die Chronik vom Siechtum und Tod meiner Schönen war ein Akt der Selbstzerfleischung. Die Depesche, in der ich Sitas Sterben schildern musste, stürzte mich für Tage in Depressionen. Dessen ungeachtet fühlte ich mich verpflichtet, den Text ein paar Mal zu überarbeiten, weil, wie ich dachte, gute Schreibe der letzte Dienst war, den ich meinem gestorbenen Liebling erweisen konnte.

2. Das Schreiben wird mir immer schwerer gemacht. Als wäre es nicht schlimm genug, dass ich seit etwa zwei Jahren blind bin, nach rund zehn zermürbenden Jahren der Angst und Verzweiflung aufgrund nach und nach - von etwa fünfzig auf null Prozent - abnehmenden Sehvermögens meines rechten »Restauges« (das linke, das stets das bessere Auge war, erblindete nach kurzer Krankheit schon 2004), habe ich seit einem Jahr auch die Nutzung meiner rechten Hand verloren. Daran ist eine verpfuschte OP eines sogenannten »Schnappfingers« schuld, zusammen mit einer Art von Schüttellähmung, mit der die Ärzte nichts anzufangen wissen.

Abgesehen davon, dass es wehtut und mir den Alltag versauert, weil ich mit rechts so gut wie nichts greifen oder halten kann, hat es das Schreiben zu einer Schinderei gemacht. Nach fünfzehn Zeilen linkshändigen augenlosen Tastensuchens bin ich erschossener als früher nach der Niederschrift von zehn vollen Seiten, und Redigieren ist oft so schwierig, als stecke man im Labyrinth des Palastes zu Knossos und suche den Ausgang - ohne Ariadnes Leit-Faden.

So kommt es, dass eine einzige Depesche mich manchmal eine ganze Woche kostet. Der geneigte Leser wird, so hoffe ich, verstehen, dass es mich unter diesen Umständen ganz besonders schmerzt, wenn meine schönen Depeschen keinen Hund hinter dem Ofen hervor locken.

3. Das Echo auf die liebevollen kleinen Reportagen aus dem Leben von Sita, Shirkan und Rani war – an dieser Einsicht führt leider kein Weg vorbei – jämmerlich gering. Die große Mehrzahl meiner Depeschen war den Lesern weder ein einziges dürres Wort noch eine magere Zeile wert, und auf ein Dutzend Katzenhistörchen kam nur eine einzige Antwort-Notiz.

Mein Limburger Schulfreund Michael Schneider, der mir blindem Huhn als Literaturagent freundlicherweise unter die Flügel greift und auch diese Seiten betreut, hatte sich von den Depeschen eine gewisse Werbewirkung für den Schreiber Schuster versprochen. Er hatte sich ausgerechnet, dass Katzenfreunde, denen meine Depeschen gefielen, Lust auf mehr bekommen könnten und auf meine Katzenkrimis und die anderen auf www.fineboox.de anzutreffenden Werke neugierig werden und vielleicht einmal 2 Euro 50 für ein ebook -anlegen würden. Aber das war ein Trugschluß.

Vielleicht liegt es auch daran, dass »anspruchsvoller« guter Stil heutzutage nicht mehr erwünscht ist oder als zu schwierig gemieden wird.

Das wäre eine Erklärung dafür, dass ich mich beim Anhören der Nachrichten und Magazinsendungen vieler Rundfunkstationen immer häufiger über grausame grammatikalische und stilistische Fehler sowie mega-plumpe Wortwiederholungen schwarz ärgern muss. Da ist der Deutschlandfunk, dessen Redakteure des Deutschen noch mächtig sind, eine veritable Erholung!

Ich frage mich: Haben Michael Schneider und ich das falsche Forum für meine Histörchen gewählt? Wo sind die katzophilen Frauchen und Herrchen, von denen es in unserem Land mindestens zehn Millionen gibt? Wollen sie wirklich keine schönen Geschichten über ihre schnurrenden Lieblinge lesen?


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Re: Depeschen von der Dreierbande von Gerd Schuster

Beitragvon hildchen » 08.05.2016 23:07

Ich hoffe, das siehst Du falsch. :cry:

Ich für meinen Teil habe jede Depesche mit Genuss gelesen und mich insbesondere an der liebevoll behandelten Sprache ergötzt. Aber ich mochte meine Kommentare einfach nicht hier zwischenschieben, weil das m. E. die Harmonie des Threads gestört hätte. Und so ist es sicher auch vielen Anderen gegangen, die hier immer mindestens so fasziniert mitgelesen haben. Die Anzahl der Zugriffe möge für sich sprechen. Aber ich habe mehr als ein E-Book von Dir gekauft und mit Begeisterung gelesen. Ich kann hier natürlich nur für mich sprechen.

Es tut mir von Herzen leid, dass Du so immer weiter eingeschränkt wirst, es ist unglaublich hart, den eigenen Verfall so Stück für Stück wahrnehmen zu müssen. Ich habe beim Lesen dieser letzten Depesche geweint. Und ich kann ein wenig nachempfinden, wie Du Dich fühlst, denn ich mache gerade einen ähnlichen Prozess durch, mein Sehvermögen lässt fortschreitend nach, ebenso wie meine motorischen Fähigkeiten. Trotzdem wünsche ich Dir, dass Du immer wieder Gründe zum Lächeln findest - Verzweifeln ist keine Lösung!
Bevor ich mich jetzt aufrege, lass' ich es mir lieber egal sein.

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Re: Depeschen von der Dreierbande von Gerd Schuster

Beitragvon Hollyleaf » 09.05.2016 00:23

Ich finde das auch sehr traurig :cry:
Ich habe hier auch ab und an mitgelesen.
Du hast immer sehr schön geschrieben.
Dass Sitas Tod dich vor Herzschmerz nicht weiterschreiben lässt, kann ich aber auch verstehen :(
Ich wünsche dir für deinen weiteren Lebensweg alles Gute, soweit das mit den Beeinträchtigungen deines Körpers möglich ist.
Und ich möchte mich aus tiefsten Herzen dafür bedanken, dass du uns an deinen Depeschen teilnehmen lassen hast. :s2445:

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Re: Depeschen von der Dreierbande von Gerd Schuster

Beitragvon cklein » 10.05.2016 22:46

Auch ich habe die Depeschen gelesen und immer gespürt, wieviel Liebe zu den Samtpfoten und wieviel Freude an ihnen darin zu lesen sind. Sehr gut konnte ich mir die Dreierbande, Ihre Blicke und Aktionen vorstellen. Die Beiträge über Sitas Tod habe ich dann kaum lesen können, weil sie so ehrlich und tief waren und es mir selber weh tat, davon zu lesen.
Aber auch ich habe nicht kommentiert. Nicht, weil es mir nicht gefallen hat. Eher, weil ich insgesamt nur selten kommentiere. Ich denke dann meist, ich habe nichts wirklich Wichtiges zu sagen. Deine Zeilen haben mir jetzt deutlich gemacht, dass ein "Danke für deine Geschichte", auch etwas Wichtiges ist und ich bedauere, dass ich es nicht geschrieben habe.

Ich wünsche Dir sehr, dass der Schmerz über Sitas Verlust irgendwann erträglicher wird und dich die Erinnerung an ihre Persönlichkeit wieder zum Lächeln bringt.

Martina

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Re: Depeschen von der Dreierbande von Gerd Schuster

Beitragvon Mitglied95 » 09.03.2019 20:56

Lieber Gerd Schuster,

leider bin ich erst heute auf diese Seite gestoßen und habe angefangen, die Depeschen mit großer Freude zu lesen.
Vorher hatte ich "Das Buch von Ela" ausgelesen, durch die Hinweise auf die anderen Bücher am Ende des Buches suchte ich nach dem Autor.
Mir hat die Sprache und Schreibweise des Buches und der Depeschen so gut gefallen, dass ich unbedingt noch mehr lesen möchte.
Also werde ich mir vor allem die Katzenbücher schleunigst bestellen.
Auch ich ärgere mich zunehmend über grammatikalische und stilistische Fehler sowohl in Funk und Fernsehen, aber auch in Zeitungen.
Ich fürchte. das ist eine Frage des Alters. Bei den jüngeren wird allgemein ein Telegrammstil gesprochen, alles muss vor allem schnell gehen.

Ich hoffe sehr, sie erfreuen sich wieder einer besseren Gesundheit und haben noch eine schöne Zeit mit ihrer Frau und den beiden Miezen.

Auch bei Ihnen, lieber Michael Schneider möchte ich mich bedanken.

Mit freundlichen Grüßen

Melanie R.



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