Unsauberkeit im Mehrkatzenhaushalt

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sabina
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Unsauberkeit im Mehrkatzenhaushalt

Beitragvon sabina » 21.06.2012 01:14

Ein häufiges Problem, mit dem man in einem Mehrkatzenhaushalt konfrontiert werden kann, ist Unsauberkeit.
Ursache ist meist ein innerartlicher Konflikt der zusammenlebenden Katzen; Disharmonie in einer Gruppe bedeutet Stress, der sich dann unter anderem in Unsauberkeit manifestieren kann.
In der Tierpsychologie gibt es ein Sprichwort, das besagt, dass Katzen nicht weinen, sondern unsauber werden.

Wir unterscheiden zwei Formen der stressbedingten Unsauberkeit:

1) Die organisch bedingte Unsauberkeit, meist Folge einer BlasenentzündungNeben anderen Ursachen wie einer bakteriellen Infektion, Harnkristallen, Blasenreizung, Nierenproblemen etc. kann Stress bei Katzen durchaus zu einer Blasenentzündung führen. Deshalb ist der erste Schritt im Falle einer plötzlich auftretenden Unsauberkeit immer zuerst der Gang zum Tierarzt, um eine organische Ursache der Unsauberkeit auszuschliessen! Falls eine Blasenentzündung vorliegt, muss diese natürlich unbedingt behandelt werden.

Der Grund, warum bei einem Blaseninfekt das Katzenklo gemieden wird, liegt in einer sog. negativen Verknüpfung von Schmerzen und dem Katzenklo. Beim Wasserlösen empfindet die Katze Schmerzen und verbindet das mit dem Ort, wo sie diese Schmerzen empfindet. Deshalb meidet sie diesen Ort und löst sich woanderst.


2) Die psychisch bedingte Unsauberkeit, wenn alle organischen Ursachen vom Tierarzt ausgeschlossen wurdenDem zu Grunde liegt meist ein Konflikt der zusammenlebenden Katzen. In etwa 90% der Fälle wird die unterdrückte, scheue, ängstliche Katze unsauber. Sehr oft findet ein Geschehen statt, das dem Menschen nicht mal unbedingt auffallen muss, wenn man nicht ganz genau darauf achtet und beobachtet: das Klomobbing.

Beim Klomobbing wird der undominanten Katze aufgelauert, wenn sie das Katzenklo aufsucht. Entweder wird sie dort direkt angegriffen oder es wird ihr aufgelauert, wenn sie das Klo verlässt. Eine Katze, die gerade ihr Geschäft verrichtet, ist in diesem Moment wehrlos und kann leicht "überfallen" werden von ihrer Mitkatze. Folglich wird das Katzenklo immer mehr gemieden und es werden Orte aufgesucht, die so versteckt und geschützt sind, dass sie sich sicherer fühlt. Gerade solch ein Mobbing kann wirklich zu einer manifestierten Blasenentzündung führen, da die verunsicherte Katze ihren Urin so lange wie möglich zurückhält, bis sie nicht mehr anderst kann, als sich zu lösen. Dieses Harnverhalten hat oft schwere organische Folgen und bereitet der Katze auch Schmerzen und massives Unwohlsein.

Eine weitere Möglichkeit ist, dass die unterdrückte Katze versucht, wenigstens mit Urin ihr schwindendes Revier neu zu markieren. Da sie sich immer mehr zurückzieht, in ihrem sicheren Versteck hockt und sich nicht mehr unbeschwert durch dem Raum bewegt, kann sie ihre wichtigen Geruchsmarkierungen ( Kinnmarkieren und Pfotenmarkieren, meist am Kratzbaum) nicht mehr setzen und verliert somit ihren Anspruch auf das Revier.


Massnahmen:

  • Bitte niemals eine unsaubere Katze bestrafen! Unsauberkeit ist ein Hilfeschrei und geschieht nicht aus Trotz. Die Katze leidet ja sowieso und jegliche Bestrafung oder Ausschimpfen wird sie noch unglücklicher machen und das Problem noch zusätzlich gravieren.

  • Zusätzliche Katzenklos aufstellen. Grundsatz ist: Anzahl Katzen plus 1. Das bedeutet also bei 2 Katzen mindestens 3 Katzenklos. Die Klos sollten in verschiedenen Räumen stehen, nicht nebeneinander! Im Falle von Klomobbing kann eine Katze unmöglich 3 Klos gleichzeitig bewachen, so ist die Chance, dass die unsaubere Katze sich unbelästigt lösen kann, viel höher.

  • Zusätzliche Versteckmöglichkeiten schaffen; halb zugedeckte Kartons, Höhlen, hochgelegene Plätze als zusätzliche Zufluchtsorte für die unterdrückte Katze.

  • Zusätzliche Markierungsmöglichkeiten schaffen; kleine Kartons zum Kinnmarkieren, kleine Kratzbäume, Kratzwellen oder Kratzbretter.

  • Falls sich die verschüchterte Katze meist nur noch in einem Raum aufhält, sollte vorübergehend nachts getrennt werden mit wechselnden (!) Zimmern. So hat die Katze die Möglichkeit, ihre Geruchsmarkierungen in den anderen Räumen wieder zu setzen und somit ihren Anspruch auf das ganze Revier zu erneuern. Wichtig ist, dass jede Nacht die Zimmer getauscht werden, damit keine neuen festen Reviere entstehen, die dann wieder erbittert verteidigt werden. Tagsüber sollte allen Katzen der Zugang zu allen Räumen gewährt werden.
    Für den Fall, dass die Katze permanent angegriffen wird, sobald sie sich bewegt und ihren Zufluchtsort nicht mehr verlässt, muss ganz getrennt werden, also auch tagsüber. Die Katzen sollten dann wirklich nur unter Aufsicht zusammengelassen werden, um sicherzugehen, dass kein Uebergriff mehr möglich ist. Jeder Angriff und jeder Kampf wird die Fronten noch mehr verhärten und es wird immer schwieriger, beide Parteien neu positiv konditionieren zu können. Jegliches Zusammentreffen sollte durchwegs postiv sein; es empfiehlt sich z.B., die Fütterungen in mehrere kleinere Portionen aufzuteilen, damit die Katzen mehrmals pro Tag zusammen gefüttert werden können. Nach dem Füttern wieder trennen, damit der letzte Eindruck positiv bleibt. Wenn die Katzen entspannt bleiben beim Füttern, kann man die Zeit langsam (!) etwas ausdehnen. Falls die Näpfe einen Sicherheitsabstand haben, können diese ebenfalls ganz langsam näher gestellt werden (alle 2 Tage maximal 10 Centimeter). Entsteht Spannung oder Drohen, Näpfe wieder in die alte Abstandspostion bringen.

  • Feste Spielzeiten mit der unterdrückten Katze einrichten, am besten 3-4 mal am Tag. Spielen lockert die permanente Anspannung der Katze, fördert das Selbstbewusstsein und auch die meist eingeschränkte Bewegung. Beim Spielen bitte viel loben, mit Leckerchen belohnen und sie auch "gewinnen" lassen. Besonders geeignet sind Jadgspiele, z.b. Trockenfutter durch Zimmer werfen und die Katze jagen lassen. Falls kurzzeitig ein Laserpointer eingesetzt wird, die Katze den Punkt auch erwischen lassen, sofort belohnen und loben. Auch klickern ist sehr geeignet, um das Selbstbewusstsein der Katze zu fördern.

  • Jeden Tag etwas Katzenminze/Baldrian, damit sie sich mal wirklich entspannen kann.

  • Der Einsatz von Zylkene hat sich sehr bewährt. Zylkene wirkt angstlösend und entspannend. Eine Kapsel pro Tag (die Kapseln können geöffnet und übers Futter gegeben werden) über einen Zeitraum von ca. 2 Monaten. Es kann auch der dominanten Katze Zylkene gegeben werden, meist alle 2 Tage eine Kapsel.

  • Wohlfühlpheromone in Form von Feliway-Stecker sind ebenfalls sehr empfehlenswert. Der Stecker ist beim Tierarzt erhältlich, geruchsneutral für Menschen und hält ca. einen Monat. Bei Bedarf kann ein Nachfüllbehälter gekauft werden, den Stecker selbst muss man nur einmal kaufen.

  • All diese Massnahmen sollten unbedingt durch eine gezielte Verhaltenstherapie begleitet werden! Die Katzen sollten neu positiv konditioniert werden aufeinander. Am geeignetsten wäre die Konsultation eines Tierpsychologen. Zusammengefasst sehen solche Massnahmen wiefolgt aus:
    Jegliche positiven Geschehen wie Fressen und Spielen sollten möglichst gemeinsam erlebt werden. Das bedeutet, dass die Katzen zusammen gefüttert werden sollten. Falls nötig, mit gebührendem Abstand zueinander, Näpfchen im Abstand von ca. 2 Metern. Bitte unter Aufsicht, damit im Falle eines Konfliktes sofort reagiert werden kann. Sollten die Katzen knurren oder sich anstarren, einfach ruhig dazwischenstehen und den Blickkontakt unterbrechen. Während dem Fressen beide (oder alle) Katzen mit etwas Thunfischsaft einreiben, damit sie sich nach dem Fressen sofort putzen. Putzen wirkt beruhigend und unbedrohlich, eine sich putzende Katze wird nicht angreifen. Wenn möglich, ebenfalls mit beiden Katzen spielen, am besten, wenn je ein Mensch eine Katze bespielen kann, damit kein Konflikt um die Ressource (also das Spielzeug) entsteht. Es macht nichts, wenn nur eine Katze spielt und die andere dabei zuschaut, denn auch diese Situation ist unbedrohlich und spannend. Das ersetzt aber das Einzelspiel mit der unterdrückten Katze nicht, mit ihr sollte unbedingt auch alleine gespielt werden!

  • Jegliche Uebergriffe sollten unterbunden werden; entweder durch ruhiges Dazwischenstehen oder durch z.B. einen Einsatz der Wasserpistole, wobei es vermieden werden sollte, dabei die unterdrückte Katze damit zu erwischen. Immer ruhig bleiben dabei, jede menschliche Aufregung wird sich auf die sensiblen Katzen übertragen und die Situation verschärfen.

Generell braucht es viel Geduld, Verständnis und Liebe. Falls sich die Unsauberkeit trotz all diesen Massnahmen innert 2-3 Monaten nicht verbessert, sollte leider im Interesse der Katzen über eine permanente Trennung/Abgabe einer Katze nachgedacht werden. Das ist zwar der schlimmste Albtraum eines liebenden Katzenbesitzers, aber manchmal muss man aus Liebe zu seinem Tier handeln, auch wenn es einem das Herz bricht.
Liebe Grüsse Sabina mit Morpheus und Aragon
und Cosmo und Victoria immer im Herzen

Ohne Katzen hört meine Welt auf, sich zu drehen


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