Das Erbrechen der Katze

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Das Erbrechen der Katze

Beitragvon Räubertochter » 25.07.2013 20:57

Das Erbrechen der Katze
Wie der Durchfall ist auch das Erbrechen ein Symptom, das uns oft im Alltag mit unserer Katze begleitet.
Leider können manchmal ernsthafte Erkrankungen hinter dem Symptom Erbrechen stehen. Es ist deshalb von Vorteil, wenn man weiß, was in diesem Augenblick im Körper seiner Katze abläuft. Dazu benötigen wir zuerst ein wenig Chemie.

DefinitionEmesis oder Vomitus sind die medizinischen Bezeichnungen für das Erbrechen. Man definiert es als rückwärtige Magenentleerung mit Zusammenziehen (Kontraktion) von Magen, Zwerchfell und Bauchmuskelatur, die sog. peristaltische Welle


Der KohlensäurepufferDer Kohlensäurepuffer dient der gesunden physiologischen Einstellung des Blut-pH-Wertes bei 7,42.
Bei 7,0 ist der Blut-pH-Wert neutral, alles, was darüber liegt, ist alkalisch (basisch), alles, was darunter liegt, ist sauer.
Das heisst, der Blut-pH-Wert der Katze ist leicht alkalisch.
Im Körper von Katze und Mensch verbinden sich H2O (Wasser) + CO2 (Kohlendioxid) mit Hilfe des Enzyms Carboanhydrase zu Kohlensäure (H2CO3)
Diese zerfällt spontan in H+ Protonen und HCO3 Anionen (Hydrogen (Bi)carbonat).
Chemisch entsprechen die H+ Ionen der Säure und das Hydrogen oder Bi-Carbonat (HCO3) der Base/Lauge.
Die Regulation diese Prozesses erfolgt über die Niere und über die Atmung. Der Stoffwechsel der Niere funktioniert über ihr Eingreifen in den Säure/Basen Haushalt des Körpers mittels der Ausscheidung durch den Urin. Die Atmung reguliert den Ausstoss von CO2 (Kohlendioxid).
In diesem ganzen System erfolgt eine sehr enge Kontrolle des Blut-pH-Wertes.


Was passiert beim Erbrechen?Während des Erbrechens, läuft genau der gleiche chemische Prozess ab,wie beim Durchfall, nur andersherum.
Durch den Verlust des Mageninhalts kommt es ebensfalls zum Verlust von Magensäften. Dieser Magensaft ist die Salzsäure (HCL).
Auch hier gäbe es im normalen Ablauf des Körpers eine Rückgewinnung, die aber im Falle des Erbrechens nicht funktioniert.
Es wird zuviel Säure ausgeschieden, zurück bleibt der basische (alkalische) Anteil, das Hydrogencarbonat.
Man spricht dann von "Verseifung" des Patienten, des stoffwechselbedingten Basenüberschusses ( Metabolische Subraktionsalkalosis).


FolgeDurch die Verseifung werden in Folge Eiweiße (Enzyme) zerstört und der normale Stoffwechsel des Körpers kann nicht mehr ablaufen. Dem Körper des Patienten ist es dabei egal, ob es ein Zuviel an Säure oder Zuviel an Base ist, was ihn krank macht. Langfristige Folgen beider Schädigung wäre immer der Tod des Patienten, weil sein Zellstoffwechsel nicht mehr funktioniert.


Das RegurtierenKlinisch ist es wichtig diese zwei Arten des Erbrechens zu Unterscheiden.
Der Begriff Regurtieren leitet sich ab (lat. re, zurück; gurges, Schlund) und bedeutet immer, dass das Futter den Magen nie erreicht hat.
Die Speiseröhre (Oesophagus) ist in der Lage aufgenommene Nahrung über Stunden im unteren, magennahem Ende zu speichern, bis der Magen seine Pforte öffnet und die Nahrung aufnimmt. Dabei können Stunden vergehen, das heißt die Zeit zwischen Nahrungsaufnahme und anschließendem Erbrechen kann täuschen.
Bei dieser Art von Erbrechen findet keine Vorverdauung statt und es kommt zu keiner Magenkontraktion. Es fehlt der typische säuerliche Geruch und es fehlen auch Schleimbeimengungen.
Dieses Erbrechen weist immer auf eine Erkrankung der Speiseröhre hin und muss deshalb vom Tierarzt abgegrenzt werden.



Ursachen des ErbrechensDa das Erbrechen nur ein Symptom ist müssen wir immer nach der Ursache forschen. Denn Therapie & Prognose richten sich immer nach der Ursache!

a) physiologisch
Es gibt tatsächlich einen vom Körper vorgesehenen Grund den Magen zu entleeren. Ein möglicher Grund könnte eine zu hastige Futteraufnahme sein und der Magen reagiert postwendend mit Rauswurf.
Ein weiterer Grund sind Fellansammlungen (Bezoare) über die gerade unsere Katze größere Mengen beim Putzen aufnimmt.
Außerdem reagiert der Magen sehr empfindlich auf verdorbenes Futter und reinigt sich somit von eventuellen Giftstoffen gleich selbst.

b) ernährungsbedingt (alimentär)
Beim ernährungsbedingten Erbrechen können wir es mit einer Reaktion auf Futterwechsel oder mit einer Futtermittelunverträglichkeit zu tun haben. Der Magen reagiert auf die aufgenomenen Reizstoffe. Dabei wird dann noch differenziert, ob es sich um eine Unverträglichkeit eines bestimmten Bestandteils des Futters handelt (Ideosyncrasie) oder ob das Immunsystem beteiligt ist und mit Antikörpern auf einen bestimmten Bestandteil des Futters reagiert (= eine Allergie).

c) gastral
Hier haben wir es jetzt mit Erkrankungen des Magens selbst zu tun.
Zum Beispiel eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis), Magengeschwüre (Ulcus), Zubildungen (Neoplasien) in Form von gut oder bösartigen Tumoren (sind bei der Katze selten) oder auch abgschluckte Fremdkörper können den Magen reizen.

d) enteral - Dünndarm
Auch Entzündungen des Darms, hier des Dünndarms, können zu Erbrechen führen. Die Dünndarmetzündung (Enteritis) reagiert ebenso mit diesem Symptom, wie der Darmverschluss (Illeus) und die Darmeinstülpung (Invagination). Des Weiteren führen die Drehungen des Dünndarms (Volvolus), aber auch der Befall mit Spulwürmern zum Erbrechen.

e) enteral - Dickdarm
Ebenso wie der Dünndarm, kann auch der untere Abschnitt des Verdauungstraktes, der Dickdarm, Ursache für ein Erbrechen sein.
Bei einer Verstopfung (Obstipation) nimmt das Volumen dieses Darmteils so zu, dass sich der Druck weiter Richtung Magen schiebt und dieser mit Erbrechen reagiert. Ebenso bei einer Dickdarmentzündung (Colitis), bei einer Drehung des Dickdarms (Torsio) oder bei einer idiopathisch entzündlichen Darmerkrankung (Colitis Ulcerosa) kann es zu Erbrechen kommen.

f) systemisch
Systemisch bedeutet immer, dass eine Erkrankung eines Organ oder ganzen Organsystems die Ursache sein muss.
Hier kommen vor allem Lebererkrankungen (Hapatopathiene) wie die Leberentzündung (Hepatitis) und die Gallengangsentzündung (Cholangitis) in Frage.
Eine entzündete Leber schwillt an, drückt dabei auf den benachbarten Magen und diesem wird "übel".
Gallengangsentzündungen führen zu starken Schmerzen, diese übertragen sich ebenfalls ins benachbarte System des Magens und dieser reagiert mit Erbrechen. Das Gleiche gilt für Pancreatitis und eventuelle Tumorbildungen.
Dabei gibt es noch besondere Form einer systemischen Erkrankung, das Morbus Zollinger-Ellison Syndrom, eine seltene Tumorerkrankung bei der die Magensaft (gastrin) produzierenden Zellen in das umliegende Gewebe auswandern und die dort ansässigen Schleimhautzellen ebenfalls zur Gastrinproduktion anregen. Die Folge ist ein hochgradiger Überschuss an Gastrin, der den Magen zuviel Magensäure produzieren lässt. Das Endergebnis sind Magengeschwüre.

Krankheiten der Harnorgane können ebenfalls Erbrechen auslösen. Durch verschiedene Erkrankungen der harnableitenden Organe, wie z.B Harnsteine (Urolithiasis) oder Nierenerkrankungen, wie Niereninsuffizienz (akut/chronisch) kommt es zu einem Rückstau von harnpflichtigen Substanzen ins Blut.
Unter anderem das hochgiftige Ammoniak. Dieses reizt die Schleimhäute, auch die des Magens, die Folge => Erbrechen.

Und als Letztes sind die Erkrankungen des Hormonstoffwechsels (Endokrinopathien) als mögliche Ursache zu nennen, z.B. Diabetes Mellitus.
Ein zuviel an Glucose im Blut reizt ebenfalls die Magenschleimhaut mit der uns schon bekannten Folge.

g)stoffwechselbedingt (metabolisch)
Sämtliche Störungen des Stoffwechsels, wie z.B. zuviel oder zuwenig Kalium (Hyper- oder Hypokaliämie) oder
zuviel oder zuwenig Calcium (Hyper- oder Hypocalicämie)im Blut und sämtliche Formen von Übersäurerungen (Azidosen) führen zu Erbrechen.

h)toxisch
Vergiftungen mit Medikamenten z.B. Aspirin, zuviel Schmerzmittel, und auch bestimmte Herzmedikamente reizen die Magenschleimhaut.
Seltener geworden sind Bleivergiftungen (alte Wasserleitungen).

i) weitere
Dem Menschen ebenfalls wohlbekannt, die Reisekrankheit. Auch unseren Katzen kann durch die Schaukelei übel werden.
Unter anderem gibt es ein sehr grosses Feld der Erkrankungen des zentralen Nervensystems, die zu Erbrechen führen können, wie auch Erkrankungen des Innenohrs (Vestibularorgan)


Klinische BeurteilungDer Körper von Mensch und Tier verfügt über einen Schutzreflex.
Sie alle haben in der sog. Medulla Oblongata (Verlängertes Mark) ein eigenes "Brech-Zentrum" (CRTZ = Chemorezeptortriggerzone).
32 verschiedene Botenstoffe, darunter Serotonin und Dopamin, können den Reflex Erbrechen auslösen!!!!
Das nennt man das sog. zentrale Erbrechen.
Bei Intoxikationen und Reizstoffen entscheidet der Magen selber über die Auslösung des Symptoms! Dieses sog. periphere Erbrechen wird ausgelöst durch die Rezeptoren der Magenschleimhaut.

    Der Ablauf der zum Erbrechen führt:

  • vermehrter Speichelfluss i.d.R. mit Schmatzen
  • Magenkontraktion
  • Kontraktion der Bauchmuskelatur




DiagnoseUm ein genaues Bild des Symptoms Erbrechen zu bekommen, brauchen Tierarzt und Tierheilpraktiker einige Angaben:

  • Verhalten des Patienten
  • In welchem Zeitraum und wie oft wurde erbrochen?
  • Beurteilung des Erbrochenen nach Farbe, Konsistenz, Geruch, Beimengungen (gerne eine Probe mitbringen!)
  • Beurteilung, falls vorhanden, verwandter Symptome:
    Verwandte Symptome dienen der Abgrenzung zu anderen Erkrankungen (Differentialdiagnostik)

  • krankhaft erhöhter Speichelfluss
  • Bauchschmerz (Kolik)
  • Futterverweigerung (Anorexie)
  • Durchfall (Diarrhoe)

    Unter Umständen weitere diagnostische Massmahmen:

  • Blutuntersuchung, hier ist besonders das Blutgas von Bedeutung, da es Auskunft über den vorhandenen Blut-ph-Wert gibt
  • Röntgen
  • Sonographie
  • Gastroskopie
  • in Fällen wo die Ursache über eine langen Zeitraum nicht zu finden ist, eröffnet man die Bauchdecke und schaut vor Ort nach ( Laparatomie)



Das Erbrochene
  • unverdautes Erbrochenes (nicht regurtiert) gibt einen Hinweis auf zu hastig verschlungenes Futter.
  • Ausscheidung von Würmern weist auf einen hochgradigen Befall mit Spulwürmern hin, da diese, beim aneinader vorbeibewegen im Darm nach Oben befördert werden.
  • schleimige Beimengungen zeigen, dass der Magen versucht sich zu Schützen in dem er Schleim produziert und die Nahrung damit umgibt.
    Hinweis auf eine Magenschleimhautentzündung.
  • anverdaute Futterbestandteile mit saurem Geruch weisen auf eine Magenentleerungsstörung hin.
  • grüne Farbe zeigt die Beteilgung der Gallensäure, das sog. Nüchternerbrechen, wenn keine Nahrung im Magen vorhanden ist.
  • Bluterbrechen (Hämemesis) ist ein ernster Hinweis auf ein Magengeschwür, wenn das Blut dunkelbraun bis schwarz ist. Dann wurde es im Magen bereits vorverdaut. Hellrotes frisches Blut weist auf eine starke Blutung, eventuelle Verletzung der Speiseröhre, hin.
  • Ein absoluter Notfall ist das Koterbrechen! Hier ist es bereits zu einem Darmverschluss gekommen und das Tier muss umgehend in die Tierklinik!!!!
  • Ein besonderes Augenmerk ist auch auf das eventuelle Einatmen des Erbrochenen zu richten. Mit dem Erbrochenen wird Magensäure eingeatmet, diese Magensäure (HCL=Salzsäure) zerstört dann das Lungengewebe, es kommt zur Apriationspneumonie (=Lungenentzündung nach Einatmung eine Fremdstoffes)


Prognose & TherapieJe nach Ursache gestalten sich diese beiden Punkte
Die erste Massnahme des Besitzers sollte die Nahrungskarenz (= Aussetzung der Nahrung für einen bestimmten Zeitraum) sein. Hierbei ist zu beachten, dass dies bei stark übergewichtigen Katzen nicht indiziert ist, da es in dem Fall zur sog. Fettlipidose der Leber kommen kann.
Wasser sollte immer angeboten und die Katze sollte gut im Auge behalten werden. Immer im Hinterkopf haben, dass das Entscheidende nicht der Verlust von Elektrolyten und Wasser ist, sondern die beginnende Verseifung des Blutes. Starkes Erbrechen muss sofort gestoppt werden, in der Regel durch sog. Brechmittel (Antiemetica) und gehört unbedingt in fachkundige Hände von Tierarzt oder Tierheilpraktiker.
Es gibt viele, viele Erkrankungen, die dem zu Grunde liegen können, denn wie Durchfall auch ist das Erbrechen nur ein Symptom!


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